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Hallo Reader, heute gehts um die Interview-Vorbereitung, genauer gesagt den Teil, den ich anders mache und bei dem laut jedem Interview-Ratgeber der DACH-Region eigentlich die Alarmglocken läuten müssten: Ich schicke Gästen die Fragen vorher. Jedes Mal. Schlechtes Gewissen hab‘ ich dabei aber keins. Die klassische JournalistenregelJournalisten predigen das wie ein Glaubensbekenntnis: Nie Fragen vorher rausgeben. Sonst gibt's einstudierte Antworten, sonst legt sich das Gegenüber Ausweichmanöver zurecht, sonst ist die Story tot, bevor sie angefangen hat. Bei einem Interview mit einem Politiker, der sich gerade auf die nächste Wahl vorbereitet, macht das Sinn. Da will man jemanden aus der Reserve locken. In B2B Podcasts gilt diese Regel jedoch nichtUnsere Gäste sind keine Politiker:innen, die wiedergewählt wollen werden. Unsere Gäste sprechen über Lieferkettenmanagement, über HR-Software, Content-Erstellung, richtiges Verhandeln, Sales-Strategien oder auch mal darüber, wie man ein Team durch eine Insolvenz führt. Die Regel "nie Fragen vorher rausgeben" macht bei Politiker:innen Sinn. Bei unseren Gästen verhindert sie nur eines: gute, tiefgehende Antworten. Journalist:innen treiben ihr Gegenüber gern in einen Widerspruch. Wir im B2B-Podcast nicht. Wir wollen, dass unsere Gäste idealerweise am Ende des Interviews besser dastehen, als vorher. Auf keinen Fall aber dürfen sie schlechter aussehen als vorher! Es ist ihre Bühne. Unsere Aufgabe als Host ist, dass sie sie auch nützen können, und nicht irgendwo zwischen Frage zwei und drei stolpern, weil sie nicht wussten, worauf das Gespräch hinausläuft. Komplexe Themen können nicht mit einfachen Antworten gelöst werdenDie Themen, über die unsere Gäste sprechen, sind selten in einem Satz erledigt. Gerade bei Deep Dives geht's um Zusammenhänge und Abwägungen, manchmal um Dinge ohne klares Richtig oder Falsch. Die Welt da draußen ist halt kompliziert. Das hat ja schon Fred Sinowatz gewusst ;-) Wer bei solchen Themen unvorbereitet ins Mikro spricht, liefert Plattitüden oder nichts. Beides ist aber schlecht. Für den Podcast als Produkt, für den gast und – ganz wichtig – für die Hörer:innen! Am Ende geht's um die Hörer:innenMenschen hören Businesspodcasts, weil sie etwas lernen wollen. Eine neue Perspektive, eine aktuelle Zahl, eine Erfahrung, die sie vorher nicht kannten. Das kriegt man nur von einem Gast, der auch in der Vorbereitung tief genug ins Thema eintauchen konnte. Ein vorbereiteter Gast liefert genau das, wofür die Hörerin überhaupt eingeschaltet hat. Ein überrumpelter Gast muss an der Oberfläche bleiben. Und die Oberfläche kennt man, dafür schaltet niemand einen Podcast ein. Was vorher wirklich passiertBevor ein Gast überhaupt die ersten Fragen sieht, hab ich mich ins Thema eingelesen, Zahlen und Studien zusammengesucht und den Gast selbst durchleuchtet: frühere Auftritte, Artikel, alles, was er in den letzten Jahren öffentlich gesagt hat. Daraus entsteht ein Fragenkatalog mit Themenclustern, kein loser Zettel mit Stichworten, und der frisst mit Abstand am meisten Zeit von der gesamten Vorbereitung, gut vier Fünftel. Ein Beispiel aus meiner täglichen Praxis: Ich bau in Fragen gern mal Zahlen aus einer Studie ein. Weil es etwas konkretes, angreifbares ist, mit dem auch im thema noch unerfahrene Hörer:innen schnell etwas anfangen können. Kennt der Gast diese Studie aber vorher nicht, kann er im Interview auch nicht wirklich drauf antworten. Er nickt höflich und sagt was Allgemeines dazu. Deshalb schicke ich die Recherche dazu vorher mit. Und dabei passiert regelmäßig etwas sehr Nützliches: Der Gast korrigiert mich! Gar nicht selten sagt jemand, meine Interpretation der Zahl stimmt nicht – weil er in dem Bereich die Expertise hat und ich eben nicht. Wir fixen das dann vor der Aufnahme. Im Mikro landet dann die richtige Fragestellung und als Antwort seine fachlich korrekte Einordnung. Das ist wichtig für den Gast, aber auch für meine Reputation als Host – klassische Win-Win-Situation! Der Fragenkatalog ist für mich also einer der wichtigsten Teile der gesamten Produktion. Und definitiv wichtiger als der Schnitt, als das Folgenlogo oder die Wahl des Mikrofons. Kostet mich das ganze vorher mehr Arbeit? Natürlich! „Verletze“ ich damit eine Journalisten-Regel? Ja – aber wenn diese Regel Grund dafür ist, dass unsere Hörer:innen am Ende nichts Neues erfahren, dann breche ich diese Regel gerne. Woche für Woche.
🎙️ Wenn du überlegst, ob du an deiner Fragetechnik als Host etwas ändern solltest, dann melde dich bei mir. Ich sage dir ehrlich was ich davon halte. Buch dir hier ein kostenloses 30-Minuten-Gespräch mit mir. Kein Pitch, keine Agenda, nur ein ehrliches Gespräch darüber ob und was für dich funktionieren kann.
Herzlichst,
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